Berichte aus Ecuador


  

März

Neues aus der Intag-Region und Ecuador
Mary Ellen Fieweger, Co-Herausgeberin der Intag-Zeitung, berichtet:

Neues von DECOIN
In diesem Jahr beginnt das Schuljahr im Intag mit Verspätung. Grund hierfür sind schwere Überflutungen an der Pazifikküste Ecuadors. Da der Schulkalender der Intag-Region sich nach dem der Küstenregion richtet, beginnt die Schule nun erst am 16. April. Nach dem Schulstart  werden DECOIN-Mitarbeiter wieder mit Schülern aus Cuellaje und Apuela auf Exkursion in den Gemeindeschutzwald gehen.

Sylvia Quilumbango, die Präsidentin von DECOIN, berichtet, dass ihre Organisation künftig verstärkt gegen den Mangel an Umweltbewusstsein, speziell bei Schulkindern, vorgehen möchte. DECOIN startet hierzu ein Weiterbildungs- und Trainingsprogramm für eine Gruppe von Beratern, um diese auf ihre neuen Aufgaben gut vorzubereiten. Zum Team dieser künftigen „Umwelt-Lehrer“ gehören Milton Arcos, William Narvaez, Silvana Bolaños und Mariano Guachagmira. Im Rahmen ihres jährlichen Projektbesuchs in der Intag-Region im Mai wird die Geschäftsführerin von „GEO schützt den Regenwald e.V.“ auch dieses neue Schwerpunktprogramm kennen lernen.


Nationale Auflehnung gegen Bergbau

Intag Solidario
“Intag solidarisch im Kampf um Leben und Wasser”. Im Vordergrund ein Vertreter der Shuar, ein indigenes Volk der Amazonas-Region.


Selbst Bewohner der entlegenen Intag-Region nahmen an dem landesweiten „Sternmarsch für das Wasser, das Leben und die Menschenwürde“ teil. Organisiert wurden die über zwei Wochen verteilten Veranstaltungen von der Dachorganisation CONAIE, dem Bündnis der indigenen Völker Ecuadors. Aktueller Anlass der groß angelegten Protestaktionen war die Unterzeichnung des Vertrags, durch den der Kupferabbau und die damit einhergehende Umweltzerstörung im Condor-Gebiet nahe der peruanischen Grenze, in der Amazonas-Provinz Zamora Chinchipe, immer näher rücken. Denn vor Ort plant das Unternehmen EcuaCorrientes, das inzwischen in chinesischer Hand ist, eine Kupfermine riesiger Ausmaße: „El Mirador“ – so der Name der Mine – soll 800 Meter Tiefe und 1,5 Kilometer Durchmesser erreichen. Täglich sollen 30.000 Tonnen Gestein in „El Mirador“  gefördert werden, mit einem Kupfer-Reingehalt von 563 Tonnen. Die Lebensdauer der Mine wird mit 25 Jahren veranschlagt. Enthusiastischer Fürsprecher für großräumige Minenprojekte ist Präsident Rafael Correa. Bei seiner wöchentlichen Ansprache versicherte dieser der Nation, das Gebiet werde nach dem Kupferbergbau schöner sein als zuvor und in der Baugrube werde ein See inmitten eines Parks für die Bewohner der Umgebung entstehen.

Ein weiteres Bergbauprojekt, Kimsacocha, ist im Hochland bei Cuenca geplant, von wo Ecuadors drittgrößte Stadt ihr Trinkwasser bezieht. Dort wurden die Schürfrechte der Bergbaugesellschaft IAMGOLD zugesprochen. Am 15. März gingen alleine in Cuenca 33.000 Menschen gegen diese Pläne der Regierung sowie weitere große Bergbauvorhaben auf die Straße.

Marcha
Vertreter von Studentenverbänden und der Jugendorganisation der CONAIE, dem Bündnis der indigenen Völker Ecuadors, während des Protestzuges.

 

Im Rahmen der Abschlussveranstaltung am 22. März, dem „Tag des Wassers“, legte ein CONAIE-Vertreter dem Präsidenten der Nationalversammlung 19 Forderungen vor, darunter: Verzicht auf jeglichen großflächigen Bergbau sowie auf alle Aktivitäten, welche die Trinkwasserressourcen gefährden; Einhaltung der Grundrechte, insbesondere Konsultation der Gemeinden, die von Bergbauplänen betroffen sein können.


Neuigkeiten aus dem Radio
Die im letzten Monat durch Mitarbeiter von Casa Palabra y Pueblo initiierte Radiosendung ist eine wunderbare Plattform für nationale Nachrichten geworden. So informierte die Sendung am 29. März, dass die Regierung den Bau eines Gefängnisses in der Intag-Gemeinde Selva Alegre plant. Überfüllte Haftanstalten sind in Ecuador ein großes Problem. Die Bewohner von Selva Alegre jedoch lehnen das Projekt ausnahmslos ab: „Intag hat auch ohne Gefängnis bereits genug Probleme“, so eine Stellungnahme.